Franz Fender Fotograf Hannover



Felder, Wäldchen und Pfützen

Aufgewachsen bin ich in einer niedersächsischen Kleinstadt nahe Hildesheim. Meine Kindheit verbrachte ich auf den umliegenden Feldern, einem nahegelegen Wäldchen, den Pfützen der um unser Elternhaus emporwachsenden Neubaugebiete und im großen Sandkasten meines zwei Häuser weiter wohnenden besten Spielkameraden. Mit Beginn der Pubertät folgte ich dem Vorbild meiner beiden älteren Brüder. Ich schloß mich der Leichtathletik-Abteilung unseres Kleinstadtsportvereins an. In dieser Zeit fuhr ich morgens zur Schule nach Hildesheim. An fünf Nachmittagen in der Woche traf ich mich mit meinen Lauffreunden. Wir „pflügten“ im Sommer die Aschenbahn und holten uns im Winter bei Schnee und Regen durch kilometerlange Läufe bärenstarke Kondition. Rückblickend war das eine sehr glückliche Zeit.

Aus der Kleinstadt nach Hannover

zog ich im Grunde nur wegen des Studiums. 10 Semester studierte ich hier Soziologie, Sozialpsychologie, Germanistik und Geschich. In dieser Zeit lernte ich Hannover kennen und lieben: in etlichen Schichten als Taxifahrer und durch meine zahllosen Umzüge. Nach dem Studienabschluss war ich dann doch endlich bereit für einen Job.
Ich begann als freier Journalist für Zeitungen und für den Rundfunk zu arbeiten. 

Diese Tätigkeit entsprach durchaus einer Familientradition. Mein Vater verdiente im Hauptberuf als Beamter unsere Brötchen. In seiner Freizeit raste er von Mitgliedsversammlungen der Ortsfeuerwehr zu Ausstellungen der Kaninchenzüchter, um diese in 50-Zeilen-Texten, garniert mit 2-3 Bildern, für das lokale Käseblatt aufzubereiten. Einer meiner Brüder landete später auch beim Journalismus.

Vom Motoradfußball bis in die Toskana

Am Wochenende begleiteten meine ältere Schwester und ich unseren Vater oft auf seinen Terminen, z.B. zum Motorradfußball, zu Reitturnieren. Wir waren es auch, die er gelegentlich als Fotomodel einsetzte. Ich erinnere mich noch lebhaft an ein Shooting mit einem Maikäfer auf meiner Nase. Eklig!

Bis zum Beginn meiner Reporter-Laufbahn hatte ich mich selbst nur wenig als Fotograf ausprobiert. Auf meinen Motorradreisen in den Semesterferien nach Italien hatte ich zwar immer eine Kamera dabei. Straßenszenen in der Toskana, sardische Landschaften waren damals meine bevorzugten Motive. Aber als ich neben meinen journalistischen Texten auch noch Pressefotos machen sollte, startete ich buchstäblich bei null. Ich wälzte Lehrbücher und verbrachte Stunde um Stunde im Fotolabor meines Vaters. Bei der Bildgestaltung verließ ich mich auf meinen Bauch und auf meinen Geschmack.

Schreiber bei der HAZ

Inzwischen war ich bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) als Schreiber gelandet. Als Lokalreporter berichtete ich über Stadtteilfeste, entlockte einem Architekten vertrauliche Bebauungspläne über die Zukunft der Bettfedernfabrik Werner&Ehlers, nach deren Veröffentlichung der geplante Abriß der Industriebrache verhindert wurde, zog ein aufsehenerregendes Gutachten des Landeamtes für Immissionsschutz an Land über die Luftbelastung auf den Hauptverkehrsstraßen, undundund

Es machte Spaß! Und nebenbei machte ich Bilder.

 

Zu der Zeit suchte die HAZ noch Fotografen.

Man fragte mich, ob ich nicht mehr Fotos machen wolle. Ich entschied mich für die Fotografie. Aber es fiel mir schwer nicht mehr zu schreiben. Eineinhalb Jahrzehnte fotografierte ich die Geschehnisse in dieser Stadt: die Rolling Stones, Phil Collins, Joe Cocker, ACDC, Vladimir Putin, Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Angela Merkel, Fussballänderspiele, Steffi Graf, Boris Becker, Robert Enke, Mario Adorf, Katja Flint, Hannelore Elsner, Schützenausmärsche, Asphaltverkäufer, die Frau, deren Papagei entflogen ist, das Schulkind mit Schultüte, … Ich fotografierte sie auf der Bühne, im Hotel, zuhause, im Interview, beim Dreh, … bis es genug war.

Das Fotostudio in Hannover – Neuanfang mit etwas Glück

Die Entscheidung für einen Ausstieg und für den Neuanfang wurde mir leicht gemacht. Die Tageszeitungen kürzten derart die Honorare, dass man als Fotograf auf Dauer davon nicht mehr leben kann. Zu der Zeit drängte mir mein Vermieter ein leerstehendes Geschäft auf. Glück!
Seitdem unterhalte ich ein Fotostudio in der List. Das Schöne daran: fotografieren macht mir wieder Spaß!

Franz Fender - Fotograf Hannover | Fotostudio Lister Meile